Deborah

Levy,

Heiße Milch

(Ü: Barbara Schaden), Kampa 2020, 304 S.

Sofia ist Mitte zwanzig und hat keine Chance auf ein eigenes Leben. Ihre Doktorarbeit in Anthropologie musste sie abbrechen und sie jobbt in einem Café, um sich hauptsächlich um ihre Mutter kümmern zu können. Die kann nicht laufen und droht zu verdursten, weil Sofia ihr nie das richtige Wasser bringen kann. Für viel Geld wird ein Arzt in Andalusien konsultiert. Der scheint rasch überzeugt, dass die Probleme keine physischen Ursachen haben. Er fordert, dass Sofia sich aus den Fängen der Mutter befreit. Sie muss ihr eigenes Leben führen, darf sich nicht mehr hinter den mütterlichen Leiden verstecken. Ihre Begegnung mit der amazonenhaften Ingrid in der flirrenden Sommerhitze konfrontiert Sofia mit Fragen, die ihr unbehaglich sind.
Der Roman beschreibt klug das Psychogramm einer Co-Abhängigkeitsbeziehung und den Versuch einer Selbstbefreiung (in einer von brennenden Medusen und Hitze aufgeladenen Atmosphäre).