Jegana

Schabbarowa

Die Hände der Frauen in meiner Familie waren nicht zum Schreiben bestimmt

(Ü: Maria Rajer), Zsolnay 2025, 144 S., 23 Euro

Wie sehr religiöse und traditionelle Vorschriften in der aserbaidschanisch-russischen Gesellschaft den Körper der Frau maßregeln, hat die Autorin selbst erfahren. Anhand von Körperteilen erzählt sie davon und von ihrer Krankheit, die sie aus der Rolle als heiratsfähige Tochter drängt und gleichzeitig von ihr befreit. Sie findet eine Sprache, mit der die Diskriminierung und der Alltag in seiner harten Realität eine poetische Körperlichkeit bekommen. Zu spüren ist aber auch eine zarte Zuneigung gegenüber dem eigenen Körper, egal, ob mit oder ohne Krankheit, mit oder ohne Makel. Die bekannte Formel vom Schreiben als Selbstermächtigung wird hier auf beeindruckende Weise neu erzählt. Jegana Dschabbarowa, die seit Kurzem in Hamburg lebt, ist ein intensives, ästhetisches wie abgründiges Buch gelungen.