dtv 2025, 224 S., 14 Euro
Als die jüdisch-russische Architektin Anouk Perleman-Jacob ihren 100. Geburtstag feiert, lädt sie den Autor dazu ein, ihr Leben aufzuschreiben. Zunächst noch skeptisch, wird er immer weiter in den Bann dieser Lebensgeschichte gezogen. Als junges Mädchen war sie mit ihrer Familie auf einem der berühmten Philosophenschiffe, mit denen die Sowjets unliebsame Intellektuelle ins Exil deportierten. Diese Schiffe sind historisch verbürgt, doch als die Architektin ihm erzählt, dass sie einen schwer kranken Lenin auf der Fahrt getroffen habe, wird der Autor doch hellhörig. Wird er, der selbst bekannt ist für Flunkereien und kluge Fiktionen, gerade aufs Korn genommen? So schafft es der Roman, neben der dichten historischen Erzählung auch eine subtile Spannung einzubauen.