Jacques

Semelin,

Das Überleben von Juden in Frankreich 1940–1944

(Ü: Susanne Wittek), Wallstein 2018, 364 S.

Der französische Historiker geht in seiner Studie der Frage nach, wie es passieren konnte, dass immerhin 75 Prozent der Juden in Frankreich den Holocaust überlebt haben. Das ist eine Quote, die in anderen von Nazideutschland besetzten Ländern nicht annähernd erreicht wurde. Semelin stützt sich sowohl auf eine breite Quellen- und Literaturbasis als auch auf Erzählungen von Überlebenden (u. a. Saul Friedländer, Irène Némirowsky und Serge Klarsfeld). Die Gründe für die Rettung so vieler Juden sieht er in den verschiedensten Arten von Unterstützung und Solidarität durch zahlreiche Helferinnen und Helfer sowie in der geografisch-politischen Besonderheit des Landes, in dem die Ausweichmöglichkeiten in die Provinz zum Überlebensfaktor werden konnten.
Die Mischung aus Geschichtswissenschaft und Empathie macht das Buch zu einer sehr anregenden Lektüre.