Francesca Melandri, Alle, außer mir

(Ü: Esther Hansen), Wagenbach 2018, 604 Seiten

Eines Tages steht vor der Tür Ilarias ein dunkelhäutiger junger Mann, der erzählt, er käme aus Äthiopien und wäre ein Enkel ihres Vaters Attilio. Sie versucht, die abenteuerliche Geschichte als Lügengespinst eines illegalen Einwanderers abzutun. Attilio kann dazu nichts mehr sagen, der inzwischen 97-Jährige ist stark dement. Als der junge Afrikaner nicht lockerlässt, beginnt Ilaria nachzuforschen. Sie stößt auf eine rassenideologische Schrift ihres Vaters aus den 1930er-Jahren und wir erfahren von den ungeheuerlichen Gräueltaten des italienischen Heeres, die unter Mussolini im damaligen Abessinien verübt wurden. Und tatsächlich hat Ilarias Vater einen Sohn mit einer afrikanischen Frau. Francesca Melandri ist ein großer Familienroman gelungen, der im heutigen Italien beginnt und einen weiten Bogen zur italienischen Kolonialgeschichte spannt.