Annette

Hess,

Deutsches Haus

Ullstein 2019, 368 S.

Westdeutschland in den 1960er-Jahren: Die Eheleute Brun sind die Gastwirte vom „Deutschen Haus“. Tochter Eva wird sich bald gutbürgerlich und traditionell mit einem Juristen verloben. Eva ist Dolmetscherin und wird beauftragt, beim ersten Frankfurter Auschwitzprozess Zeugenaussagen aus dem Polnischen zu übersetzen. Eltern und Bräutigam sind strikt dagegen. Doch Eva will wissen, wovor sie vermeintlich geschützt werden soll. Die Eltern wollten über Auschwitz schweigen, nicht um zu schützen, sondern aufgrund eigener Schuld. Sie haben fleißig das „Deutsche Haus“ wiederaufgebaut, jetzt soll die Vergangenheit ruhen. Eva wird von den Aussagen der Opfer und den erlittenen Grausamkeiten überwältigt; sie fragt nach der Verantwortung für den Massenmord.
Annette Hess gelingt es, die Atmosphäre des Verdrängens, den existierenden Antisemitismus und die Spießigkeit dramaturgisch überzeugend zu zeigen.