Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Aktuelle Empfehlungen

Belletristik

Lucía Puenzo, Die man nicht sieht

Ü: Anja Lutter, Wagenbach 2018, 204 Seiten

„Die man nicht sieht“, das sind Ismael, Ajo und Enana. Noch halbe Kinder, sind sie das erfolgreichste Einbrechertrio von Buenos Aires. Ihre Streifzüge sind vorbereitet, ihre Auftraggeber kennen die Örtlichkeiten. Und dann reicht ein gekipptes Kellerfenster und die drei sind im Haus. Geklaut werden keine großen Dinge, sondern hier ein Schmuckstück, dort etwas Geld und immer so, dass es nicht auffällt. Festtage sind die, an denen noch Reste einer üppigen Mahlzeit rumstehen.

Doch dann werden die drei eines Tages nach Uruguay verschleppt. In den Strandhäusern der Reichen sollen sie auf Beutezug gehen und plötzlich ist das sympathische Trio großen Gefahren ausgesetzt.

Mit Spannung ist zu lesen, wie die drei der harten Realität ihre uneingeschränkte Freundschaft entgegensetzen.

Bilderbuch

Stefan Klein, Der Traumwolf, illustriert von Stefanie Harjes

Sauerländer 2018, 32 Seiten

Da haben sich zwei gefunden. Der renommierte Wissenschaftsautor Stefan Klein trifft auf die Hamburger Künstlerin Stefanie Harjes. Gemeinsam haben sie sich eines Themas angenommen, das uns alle bewegt: Träume, genauer, Albträume. Der kleine Elias wird im Schlaf vom Traumwolf mit den großen Zähnen verfolgt, fliegt plötzlich mit seinem Plüsch-Pinguin hoch in die Wolken und findet schließlich sogar eine Schatzkiste. Eine sehr unruhige Nacht ist das für ihn. Wie gut ist es da, dass Stefan Klein Groß und Klein erklären kann, warum wir träumen und für was das sogar gut ist. Und noch besser ist, dass die großartige Stefanie Harjes mit ihren buntchaotischen Zeichnungen und Collagen das Buch traumhaft illustriert hat. Schon schläft es sich gleich viel besser. Nur Eichhörnchen fehlen leider.

Krimi

George Pelecanos, Das dunkle Herz der Stadt

Ü: Karen Witthuhn, ars vivendi 2018, 246 Seiten

"Ich steckte eine Kippe an. Ich trank. Alles hatte im Spot begonnen." Nick Stefanos ist sicher einer der versoffensten Detektive in der Geschichte der Kriminalliteratur. Im Nebenberuf arbeitet er praktischerweise als Barkeeper. Eines Nachts wird Nick, hackedicht in einem Gebüsch seinen Rausch ausschlafend, Zeuge eines Mordes an einem Stricher. Natürlich interessiert sich niemand für den Toten, doch Nick fühlt sich bei seiner Detektivehre gepackt, beginnt hartnäckig zu ermitteln und taucht tief ein in das dunkle Herz von Washington. Dass das nicht allen in der Geschäfts- und Unterwelt der Hauptstadt gefällt, muss Nick bald schmerzhaft am eigenen Leib erfahren. Nach über 20 Jahren ist dieser starke Kriminalroman nun endlich auf Deutsch erschienen. Den passenden Sound dazu liefern die Auspuffrohre eines alten Chryslers und Donna Summer singt dazu.

Sachbuch

Jeanette Erazo Heufelder, Welcome to Borderland. Die US-mexikanische Grenze

Berenberg 2018, 256 Seiten

Eine Migrantenkarawane von über 7000 Menschen zieht momentan aus verschiedenen mittelamerikanischen Ländern Richtung USA. In wenigen Wochen werden sie die mexikanisch-nordamerikanische Grenze erreicht haben. Um genau diese Grenze geht es in dem Buch von Jeanette Erazo Heufelder. Sie beschreibt die wechselvolle Geschichte des Grenzverlaufs, die Kämpfe um die Südstaaten, die einst nördlichste Bundesstaaten Mexikos waren. Die Autorin ist entlang der Grenze in abgelegene Orte gereist und in die harten Grenzstädte Ciudad Juárez und Tijuana. Sie hat mit vielen Menschen geredet und sie zur Grenze und der neuen Politik der Abschottung befragt. Und sie bezieht sich immer wieder auf populärkulturelle Quellen wie Filme und Romane. All das macht das Buch zu einer kurzweiligen, spannenden und hoch informativen Lektüre.