Lesefutter – unsere Buchempfehlungen • Buchladen Osterstraße - lesen fängt links an • Hamburg • Eimsbüttel

Aktuelle Empfehlungen

Belletristik

Dorit Rabinyan, Wir sehen uns am Meer

Ü: Helene Seidler, Kiepenheuer & Witsch 2016, 378 Seiten

Liat aus Tel Aviv ist für ein halbes Jahr in New York. Zufällig lernt sie den arabischen Maler Chilmi, kennen und eine intensive Liebesbeziehung zwischen den beiden beginnt. Eine Liebe, die in ihrer Heimat nicht möglich wäre, zu groß sind die politischen Gräben.
Natürlich erzählt Liat niemals von dieser Beziehung, wenn sie mit Freundinnen oder ihrer Familie in Israel telefoniert. Immer wieder geht es in den Gesprächen zwischen Chilmi und Liat um Trennendes und Gemeinsamkeiten. "Wie heißt bei Euch dieses Essen?" "Hat man Euch auch beigebracht, Wasser zu sparen?" Und dann diese unglaubliche Kälte im New Yorker Winter. Beide träumen von der Wärme und dem Meer in der Heimat. Aber die Zeit für ihre Liebe ist begrenzt.

Krimi

Ken Bruen, Füchsin

Ü: Karen Witthuhn, Polar Verlag 2016, 179 Seiten

Detective Sergeant Brant, der mit Wolfslächeln auf alle Regeln scheißt, kämpft in London gegen Angie, eine Femme Fatale, die, zusammen mit zwei Komplizen, selbst gebastelte Bomben legt und damit die Polizei erpresst. Ihre Gegenspieler vom Southeast London Police Squad erweisen sich als der bekannt verkommene Haufen. Mit dabei sind: Falls, die schwarze Polizistin mit einem Alkoholproblem, Porter Nash, schwul und zuckerkrank, Roberts, der frisch verwitwete Chef auf Nuttenbesuch und natürlich Brant, der gerne Kokslinien und Zuhältern den Gummiknüppel durchs Gesicht zieht.
Der irische Autor Ken Bruen schreibt schnell, hart und witzig. Er geizt nicht mit Anspielungen auf andere Kriminalliteratur und bringt die coole Cop-Story zu einem schnellen Ende. Kopfschuss inklusive. Sehr schön, dass nach "Kaliber" nun der zweite Roman um Brant und Konsorten auf Deutsch erhältlich ist.

Belletristik

Christoph Ransmayr, Cox oder Der Lauf der Zeit

S. Fischer 2016, 304 Seiten

2016, 304 S., 22,00 Euro

Der neue Roman von Christoph Ransmayr spielt im 18. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht Alister Cox, ein englischer Uhrmacher. Seine geliebte Tochter ist gestorben, seine Frau in stummer Trauer erstarrt. So lässt er sich leicht überreden, als er eine Einladung von Quianlong, dem chinesischen Kaiser bekommt. Er fährt mit seinen Mitarbeitern nach Peking, in die "Verbotene Stadt", und baut Uhren und komplizierteste Zeitautomaten für den Kaiser, der schon seit langem Uhren sammelt. Es ist für die Europäer nicht leicht, sich an die starren Regeln des despotischen, grausamen Quianlongs zu halten. Und der will eine Uhr, die die Unendlichkeit misst, die Zeit hinter der Zeit. Wird Cox ihn zufriedenstellen können?
Klug und spannend, gespickt mit vielen historischen Details, ist dieser Roman ein großes Lesevergnügen.

Hörbuch

Sylvie Schenk, Schnell, dein Leben

gelesen von Sophie Rois

Roof Music 2016, 4 Seiten

Erzählt wird ein Leben in der Nachkriegszeit, zwischen Frankreich und Deutschland. Und es geht im Schnelldurchgang durch das Leben von Louise: vom Aufwachsen in einem Dorf in den französischen Alpen, von den engen Verhältnissen dort bis zur Mutter mit einem Geheimnis. Zum Studium zieht Louise nach Lyon, trifft Gleichaltrige, mit denen sie sich anfreundet und die ihr sehr wichtig werden. Den deutschen Johann wird sie heiraten und mit ihm in die Bundesrepublik gehen. Dort trifft französische Ungezwungenheit auf deutsche Distanz. Die Gräueltaten des Krieges sind keine ferne Vergangenheit und die junge Generation erfährt von der persönlichen Schuld der Eltern - und nähert sich an.
Unaufgeregt und pointiert liest Sophie Rois diesen ruhigen Text und man lauscht ihr fasziniert.