Lesefutter

Krimi

Ken Bruen, Jack Taylor fährt zur Hölle

Ü: Harry Rowohlt, Atrium 2010, 301 Seiten

Er ist wahrscheinlich der belesenste und versoffenste Privatermittler der Krimigeschichte: Jack Taylor. Nachdem er gezwungenermaßen den Polizeidienst quittieren mußte („Jack Taylor fliegt raus“), eröffnet er sein Büro praktischerweise gleich im „Grogan’s“, der einzigen Kneipe von Galway, in der er noch nicht Lokalverbot hat. Nach einem kurzen Intermezzo in London, der Liebe wegen („Jack Taylor liegt falsch“), das ihm einen neuen Ledermantel und eine gepflegte Kokainsucht einbringt, kehrt Jack auf seine grüne Insel zurück. Bald wird ihm dort ein neuer Fall angetragen. Er soll eine Frau finden, die mißhandelten Mädchen aus einem Heim zur Flucht verholfen hat. Jack, ohnehin bereichs reich an Narben an Leib und Seele, wirft sich wieder ins Gefecht und legt sich mit allen an, die sich ihm in den Weg stellen…

Harry Rowohlt, bekanntermaßen eher ein genialer Nachdichter als ein Übersetzer, sitzt hoffentlich bereits an der Übertragung des vierten Bandes. Darauf ein Pint of Guinness!

Krimi

Giancarlo de Cataldo, Romanzo Criminale

Ü: Karin Fleischanderl, Folio Verlag 2010, 575 Seiten

Die Kulisse: Das Rom der 1970er Jahre, geprägt von Mafia, korrupten Politikern, Geheimlogen, Roten Brigaden, Neonazis und Drogenbossen. Die jungen Vorstadtgauner Libanese, Freddo und Dandi wollen nach oben, sie wollen an die Fleischtöpfe und sie beschreiten diesen Weg mit aller Gewalt. De Cataldos furioser Politthriller – in Italien bereits zweimal verfilmt und nun endlich ins Deutsche übersetzt – führt in die Abgründe von Glücksspiel, Drogenhandel, Prostitution und schmutzigen Geheimdienstaktivitäten und läßt die Leser atemlos zurück. „Romanzo Criminale“ ist Zeitgeschichte der etwas anderen Art, James Ellroy auf italienisch.

Krimi

Dominique Manotti, Letzte Schicht

Ü: Andrea Stephani, Argument 2010, 252 Seiten

Lothringen, Nordfrankreich: Stillgelegte Schwerindustrie und ein Daewoo-Werk, in dem sich die Arbeitsunfälle häufen. Es kommt zum Aufstand der Belegschaft, die Fabrik brennt und im Wald in der Nähe liegt eine Leiche.
Derweil laufen in Paris Verhandlungen über die Privatisierung des Rüstungskonzerns Thomson, Daewoo erhält den Zuschlag, doch die Konkurrenz holt zum Gegenschlag aus. Es treten auf: korrupte Provinzpolitiker, Geheimdienstler, smarte Netzwerker, kroatische Söldner und der unerschrockene Privatdetektiv Charles Montoya.
Die französische Historikerin und Gewerkschafterin Dominique Manotti hat einen furiosen Wirtschaftsthriller in bester Noir-Tradition geschrieben, basierend auf wahren Begebenheiten. „Letzte Schicht“ ist ein Krimi über die Entgleisungen der kapitalistischen Gesellschaft und weist deshalb weit über die Grenze des Genres hinaus. Unbedingt lesen!

Krimi

Dominique Manotti, Einschlägig bekannt

Ü: Andrea Stephani, Argument Verlag 2011, 250 Seiten

Die (fiktive) Pariser Vorstadt Panteuil im Sommer 2005: Kommissariatschefin Le Muir dringt darauf, den Plan des Innenministers durchzusetzen – die „Reinigung“ der Ban-lieues von jungen, aufständischen Migranten. Ein Wohnheim illegaler Einwanderer geht in Flammen auf, Polizisten organisieren die Prostitution in einem Parkhaus gleich selbst, und rassistische Gewaltbereitschaft ist im Revier an der Tagesordnung. Nora Ghozali, Spezialermittlerin, recherchiert dagegen in den eigenen Reihen. Zwei starke Frauen begegnen sich als Kontrahentinnen in einem starken Krimi. Dominique Manotti, eine ehemalige Professorin für Wirtschaftsgeschichte, positioniert sich in „Einschlägig bekannt“ explizit politisch und berichtet von der dunklen Seite der Macht. Der politische Krimi lebt!

Krimi

Marcello Fois, Sardische Vendetta

Ü: Esther Hansen, List Tb 2008, 233 Seiten

Mit seinem Roman „Sardische Vendetta“ setzt Marcello Fois, der selbst auf Sardinien geboren ist, dem Banditen Samuele Stocchino ein literarisches Denkmal. Stocchino wuchs Anfang des 20. Jahrhunderts in der sardischen Bergwelt auf, lernte im Ersten Weltkrieg das Töten, kehrte als Kriegsheld zurück und fand nie mehr den Weg zurück in die Dorfgemeinschaft. Dunkel, spannend, literarisch anspruchsvoll und sehr authentisch beschreibt Fois einen sardischen Lebensweg vor dem Hintergrund des aufziehenden Faschismus. Auch für Nicht-Sardinien-Kenner ist dieser Roman ein Genuss, für alle anderen ein Muss.

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