Lesefutter
Belletristik
Aravind Adiga, Der weisse Tiger
Ü: Ingo Herzke, C. H. Beck 2008, 319 Seiten
Balram Halwai schreibt einen Brief. In sieben Nächten erzählt er dem chinesischen Ministerpräsidenten seine Erfolgsgeschichte vom armen, klugen Jungen aus einem indischen Dorf zum erfolgreichen Unternehmer. Dabei entwirft er das Bild einer schnelllebigen indischen Gesellschaft, in der unter Missachtung aller Moralvorstellungen dem Erfolg und Geld hinterher gejagt wird. Auch Halwai beteiligt sich an diesem Kesseltreiben. Ein spannender, witziger Roman des modernen Indiens – ein Debüt, das nicht umsonst mit dem begehrten Booker Prize 2008 ausgezeichnet wurde.
Belletristik
Naomi Alderman, Ungehorsam
Ü: Christiane Buchner/Miriam Mandelkow, Berlin Verlag 2008, 238 Seiten
Ronit Krushka führt ein erfolgreiches „Sex and the City“-Leben in New York. Sie glaubt – meistens – ihr Lebensglück gefunden zu haben. Doch nach dem Tod ihres Vaters, eines berühmten Rabbis, reist sie zum ersten Mal seit vielen Jahren nach London zurück. Ronit ist in einer orthodoxen jüdischen Gemeinde aufgewachsen und sieht sich, kaum in London gelandet, wieder mit der Enge ihrer Kindheit konfrontiert. Als sie schließlich ihre Jugendfreundin und -liebe Esti trifft, die sich für ein Leben im orthodoxen Glauben entschieden hat, geraten zwei wohl sortierte Leben aus den Fugen. Ronit begegnet diesem Beben mit einer gehörigen Portion (Selbst-)Ironie, Esti reagiert zunächst einfach nur verstört. Ein Romandebüt mit viel Witz, Bissigkeit und Happyend.
Belletristik
Isabel Allende, Die Insel unter dem Meer
Ü: Svenja Becker, Suhrkamp 2011, 557 Seiten
Das Besondere an Isabel Allendes historischen Romanen ist: Orte, Zeiten und Ereignisse sind stets hervorragend recherchiert und die Geschichten, die sie dort plaziert sind opulent und mitreißend erzählt. Auch ihr neues Buch erfüllt diese Erwartungen. Schauplatz ist die französische Kolonie Saint-Domingue zur Zeit der haitianischen Revolution und die Sklavin Zarité erstreitet ihre Freiheit. Der Weg dahin ist ereignisreich, lang und gefährlich. Barbarische Zustände herrschen auf dieser durch Zuckerrohr reich gewordenen Insel, farbige Menschen werden gnadenlos ausgebeutet. Die besonders willensstarke Zarité liebt und kämpft, wird begehrt und erniedrigt, verliert ihre Kinder und kümmert sich um andere. Ein Schicksal, eine Lebensgeschichte, angereichert mit Leidenschaft und Verbrechen – großartige Unterhaltungsliteratur, ohne ins Schmökerhafte abzugleiten: typisch Allende.
Belletristik
Margaret Atwood, Das Jahr der Flut
Ü: Monika Schmalz, Berlin Verlag 2009, 478 Seiten
Nach einer tödlichen Pandemie scheint es nur wenige Überlebende zu geben. In dieser Katastrophe hat sich ein totalitäres System durchgesetzt, in der die Menschen möglichst still und unsichtbar bleiben, weil sie absoluter Kontrolle unterworfen sind. Bei allem visionären Schrecken, Margaret Atwoods Humor macht Weltuntergang zum makabren, erträglichen Abenteuer. Vor allem, wenn sie ihre „Gärtner“ beschreibt, eine schrullige Gemeinschaft, esoterisch angehaucht und selbstgerecht, die auf Dächern ein Paradies errichten wollen. Ermutigend sind Frauen wie Toby, Ren und Amanda, die ihre Chance im gemeinsamen Kampf sehen. Besonders eindrucksvoll wird die Geschichte durch die nahen Bezüge zu unserer Realität, unsere Ökologie- und Wirtschaftsprobleme haben sich nur noch etwas verschärft. Margaret Atwood hat sie weitergedacht.
Belletristik
Mirko Bonné, Der eiskalte Himmel
Heyne 2007, 426 Seiten
Im gerade als Taschenbuch erschienenen Roman „Der eiskalte Himmel” erzählt der 1965 am Tegernsee geborene Autor Mirko Bonné die tragische Geschichte der berühmten Shackleton-Expedition in die Antarktis. Sir Ernest Shakleton startete mit der „Endurance” im August 1914 Richtung Südpol und sollte erst nach knapp zwei Jahren seine Heimat England wieder sehen. Aus der Sicht des Schiffsjungen und Ich-Erzählers Merce Blackboro spürt Bonné der legendären Expedition nach. Entstanden ist so ein großartiger, spannender Abenteuerroman voll klirrender Kälte. Mirko Bonné lebt heute als Schriftsteller und Übersetzer in Hamburg.

